7b-Schüler organisiert digitales Fußballturnier

Das war Weltklasse, Mohammad Al Okla!

Wir schreiben Freitag, den 3. November 2023. Es ist 13:20 Uhr. Ich befinde mich mit der 8a im Pavillon 2. An der KGGS läuft die fünfte Unterrichtsstunde. Ich korrigiere: Die fünfte Stunde sollte laufen. An normalen Unterricht ist kaum zu denken. Aus dem Nebenraum Pavillon 3 schwappt in Wellen eine gewisse Stadionatmosphäre herüber. Flüche vermischen sich mit Anfeuerungsrufen, aber alles übertönend vernehmen wir die Jubelarien. Nein, an Unterricht ist wirklich nicht zu denken. Es ist 14:10 Uhr.

Die Neugier überkommt mich. Ich gehe zum Ursprung des Geräuschpegels in den nebenanliegenden Klassenraum. Ich öffne die Tür. Ich beobachte mehr als ein Dutzend Jungen, die mit gebannten Gesichtern vor einem Active Panel Board (ein riesengroßer Bildschirm) sitzen. Zwei dieser Jungen halten jeweils einen Controller in ihren Händen, wirken hochkonzentriert. Aus den Lautsprechern des Active Panel Boards sind arabisch sprechende Kommentatoren zu hören, deren Stimmen plötzlich überschlagen. Die Schüler erheben sich simultan aus ihren Stühlen, ihre Münder stehen offen. Jubel brandet auf. Einer der beiden Spieler hebt seine rechte Faust. Sein Kontrahent lässt Kopf und Schulter sinken, richtet sich aber kurz danach wieder auf. Ich trete in den Klassenraum, um zu sehen, warum Freud‘ und Leid so nah beieinander sitzen. Ach, logisch, ein Tor ist gefallen. Hier regiert König Fußball, nahezu lebensecht auf der Konsole spielbar. Kurze Zeit später ertönt ein lauter Pfiff. Das Spiel ist aus. Paris St. Germain schlägt den FC Barcelona mit 3:1. Mit Handshake verabschieden sich die beiden Kontrahenten voneinander. Der unterlegene Gamer verlässt den Raum. Der Sieger lässt sich kurz feiern. Das Turnier ist im KO-Modus angekommen. Nun heißt es: Do or die! Damit das Turnier fortgesetzt werden kann, muss der erfolgreiche Gamer wieder in seine hauptsächliche Rolle hineinschlüpfen. Er ist nämlich der Organisator dieses Ereignisses und heißt Mohammad Al Okla (7b). Freudestrahlend begrüßt mich Mohammad. Seine Augen leuchten als er mir über den bisherigen Verlauf des Turniers berichtet. Er ergänzt aber auch, was er beim nächsten Mal besser machen wird. Noch besser, denke ich, wie geht das denn? Er hat hier Schüler der fünften bis zehnten Klassen vereint, die bei bester Stimmung Fußball an der Konsole zocken. Besser geht es doch gar nicht. Unser Gespräch muss abgebrochen werden. Die Teilnehmer wollen von Mohammad wissen, wie es weitergeht. Er schaut auf seinen Spielplan und gibt daraufhin die nächste Spielpaarung für ein Viertelfinale bekannt. Die nächsten beiden Gamer machen sich bereit.

Mohammad hat alles im Griff. Er war beim Schulleiter, um seine Idee vorzustellen. Er ging in die Klassen, um für sein Turnier Werbung zu machen und erstellte Spielpläne, nachdem sich etliche Schüler angemeldet hatten. Er organisierte sogar Medaillen, die bei Turnierende die drei Bestplatziertesten erhalten sollten (siehe Foto). Und das alles machte er nahezu alleine (mit minimaler Unterstützung von Torben Hahn). Und warum machte er sich die Mühe? Da Mohammad anderen Schüler:innen eine Freude machen wollte. Lieber Mohammad, das war Weltklasse von Dir!

P.S.: Ach ja, Mohammad ist im Mai erst 12 Jahre alt geworden.